Anna Boschek

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Anna Boschek (um 1900)
Personenname Boschek, Anna
Abweichende Namensform
Titel
Geschlecht weiblich
GND 121891100
Wikidata Q89843
Geburtsdatum 14. Mai 1874
Geburtsort Wien
Sterbedatum 18. November 1957
Sterbeort Wien, Hanuschkrankenhaus
Beruf Gewerkschafterin, Arbeiterin, Politikerin
Parteizugehörigkeit Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP)
Religionszugehörigkeit 
Ereignis
Nachlass/Vorlass
Siehe auch
Ressource Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Gedenktage, POLAR
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Recherche
Letzte Änderung am 13.10.2021 durch Admin
Bestattungsdatum
Friedhof Friedhof Hütteldorf
Grabstelle
Ehrengrab
Bildname Annaboschek.jpg
Bildunterschrift  Anna Boschek (um 1900)
Bildquelle
Bildrechte

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Es wurde noch keine Familie zu dieser Person erfasst!

  • Mitglied der Frauenkommission des Internationalen Arbeitsamtes (1919)
  • Mitglied des Gemeinderates der Stadt Wien (22 Mai 1919, bis: 24 Januar 1920)
  • Mitglied in der ersten Reichskommission der freien Gewerkschaften Österreichs
  • Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung (4 März 1919, bis: 9 November 1920)
  • Abgeordnete zum Nationalrat (10 November 1920, bis: 1 Oktober 1930)
  • Delegierte des 1. österreichischen Gewerkschaftskongresses (1893)
  • Mitglied des Provisorischen Gemeinderates der Stadt Wien (3 Dezember 1918, bis: 22 Mai 1919)
  • Abgeordnete zum Nationalrat (2 Dezember 1930, bis: 17 Februar 1934)

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Anna Boschek, * 14. Mai 1874 Wien, † 18. November 1957 Wien, Gewerkschafterin, Politikerin.

Biografie

Anna Boschek musste ob der Armut ihrer Familie bereits im Kindesalter arbeiten.

Zunächst war sie als Heimarbeiterin tätig, mit elf Jahren in einer Perlenbläserei, dann unter anderem in einer Mundharmonikafabrik und in einer Galvanisierungswerkstätte, wo sie sich Verätzungen im Gesicht und an den Händen zuzog, ehe sie ab 1891 als Spulerin in der Kneippschen Ottakringer Trikotfabrik arbeitete.

1891 trat sie dem Arbeiterinnen-Bildungsverein bei und war Mitglied in der ersten Reichskommission der freien Gewerkschaften Österreichs. Ab 1894 war sie Gewerkschaftsangestellte, nachdem sie bereits ein Jahr zuvor als Delegierte den ersten österreichischen Gewerkschaftskongress besucht hatte. Im November desselben Jahres nahm sie erstmals an einer vierwöchigen "Agitationstour" nach Nordböhmen teil, der noch weitere Reisen durch die Monarchie folgen sollten. 1898 wurde sie die erste Geschäftsführerin des Frauen-Reichskomitees.

Anna Boschek war die erste Frau im Parteivorstand der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und nahm bis 1918 an fast allen Parteitagen teil. Am Parteitag 1900 formulierte sie gemeinsam mit Therese Schlesinger Kritik an der laschen Haltung der Partei zum Frauenwahlrecht. Im Ersten Weltkrieg organisierte sie Fürsorgeaktionen und engagierte sich in der Frauenhilfsorganisation. 1918 wurde sie von den Sozialdemokraten in die Kommission für Frauenarbeit beim Ministerium für soziale Verwaltung delegiert. Zudem war sie Mitglied der Frauenkommission des Internationalen Arbeitsamtes.

Anna Boschek gehörte dem Provisorischen Gemeinderat der Stadt Wien nach dem Ersten Weltkrieg an und war dort Mitglied des Ausschusses zur Beratung der Gemeindeverfassung. 1919 kandidierte sie für die Sozialdemokratische Arbeiterpartei im 13. Bezirk und wirkte von 1919 bis 1920 als Gemeinderätin. Sie zählte zu den ersten weiblichen Gemeinderatsmitgliedern. Als sie 1919 in die Konstituierende Nationalversammlung einzog, war sie eine der acht ersten weiblichen Abgeordneten. Sie gehörte dem Nationalrat bis zur gewaltsamen Ausschaltung der Demokratie unter Engelbert Dollfuß an und engagierte sich vor allem in Sozial- und Arbeitsfragen.

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Im Rahmen der Mitarbeit am sozialrevolutionären Gesetzeswerk von Ferdinand Hanusch trat sie für die Gründung der Arbeiterkammern ein. Das Gesetz zum Achtstundenarbeitstag trug ebenso ihre Handschrift wie Vorlagen zur Arbeitsruhe, zum Nachtarbeitsverbot und zur Gewerbeinspektion. Federführend war sie auch daran beteiligt, dass das Hausgehilfinnengesetz die Gesindeordnung ersetzte. Ihre Rede auf dem österreichischen Gewerkschaftskongress 1928 ist unter dem Titel "Frauenarbeit und Gewerkschaften" im Druck erschienen (1929). Zusammen mit Käthe Leichter, die ihre parlamentarische Mitarbeiterin wurde, arbeitete sie nicht nur an allen sozialpolitischen Gesetzen mit, sondern war vor allem an den frauenpolitischen Aktivitäten der Freien Gewerkschaften, Arbeiterkammer und Sozialdemokratischen Partei maßgeblich beteiligt.

1934 wurde Anna Boschek durch das Dollfuß-Schuschnigg-Regime verhaftet und sieben Wochen im Polizeigefangenenhaus an der Elisabethpromenade festgehalten. Nach ihrer Entlassung stand sie unter Polizeiaufsicht. Trotzdem gelang es ihr, im Ständestaat mit jener Gruppe Sozialdemokraten, die sich bei Amalie Seidel trafen, Kontakt zu halten. 1945 trat Anna Boschek aus gesundheitlichen Gründen aus ihren politischen Funktionen zurück, blieb jedoch in der Sektion der Sozialdemokratischen Partei Österreichs des 15. Bezirkes aktiv und nahm an allen Frauen- und Gewerkschaftstagungen teil. Noch als 80-Jährige referierte sie bei politischen Schulungskursen, im Sommer 1957 hatte sie bei der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Wien ihren letzten großen Auftritt.

Die Arbeiterkammer errichtete 1957 bis 1959 in der Plößlgasse 2 ein Wohnheim für Lehrmädchen, das nach der Politikerin benannt wurde. Zudem tragen der Anna-Boschek-Platz und die städtische Wohnhausanlage Anna-Boschek-Hof ihren Namen.

Quellen

Literatur

  • Elke Krasny [Hg.]: Stadt und Frauen. Eine andere Topographie von Wien. Wien: Metroverlag / Wienbibliothek im Rathaus 2008
  • Wolfgang Solt: Mitglieder des Gemeinderates der Stadt Wien (Wiener Landtages) und des Stadtsenates der Stadt Wien (der Wiener Landesregierung) 1918−1934. Wien: 1995
  • Arbeiterleben. Autobiographien zur Alltags- und Sozialgeschichte Österreichs 1867−1914. Graz: Leykam 1992
  • Kurt Stimmer [Hg.]: Die Arbeiter von Wien. Ein sozialdemokratischer Stadtführer. Wien [u. a.]: Jugend & Volk 1988, S. 111
  • Die Frau im Korsett. Wiener Frauenalltag zwischen Klischee und Wirklichkeit 1848−1920. Hermesvilla, Lainzer Tiergarten, 14. April 1984−10. Februar 1985. Wien: Eigenverlag der Museen der Stadt Wien 1984 (Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 88), S. 213
  • Jean Maitron / Georges Haupt [Hg.]: Dictionnaire biographique du mouvement ouvrier international. Band 1: Autriche. Paris: Éditions Ouvrières 1971
  • Norbert Leser [Hg.]: Werk und Widerhall. Große Gestalten des österreichischen Sozialismus. Wien: Verlag der Wiener Volksbuchhandlung 1964, S. 92 ff.
  • Wienbibliothek Digital: Oswald Knauer: Der Wiener Gemeinderat 1861−1962. In: Handbuch der Stadt Wien. Band 77. Wien: Verlag für Jugend und Volk 1963 [Stand: 11.11.2019]
  • Adelheid Popp [Hg.]: Gedenkbuch. 20 Jahre österreichische Arbeiterinnenbewegung. Wien: Verlag der Wiener Volksbuchhandlung 1912

Links